Passt das Huhn nun durch den Zaun oder nicht? - Die Mutter aller Gartenzaunstreitereien in Elstorf

Ein Jahrzehntelanger ‚Rechtsstreit‘ in Elstorf geht in die nächste Runde. Seit nahezu ewigen Zeiten streiten sich die Kirche auf der einen Seite und die Sparkasse und Bauunternehmer Seepolt auf der anderen Seite darüber, wer den Zaun zwischen den Grundstücken bauen und reparieren lassen muss.

Die Anekdote aus Elstorf hat allerdings einmal einen wahren Kern gehabt. Auf dem Grundstück, auf dem heute die Sparkasse steht, war früher ein Bauernhof. Auf diesem gab es Hühner, der Pastor auf der anderen Seite soll auch welche gehabt haben. So traf man mal auf dieser, mal auf jener Seite Hühner an, die dort nicht hin gehörten. Aus diesem Streit entstand dann einst ein Grundbucheintrag, der vom Buxtehuder Notar Dr. Hermann Lüdemann am 15. April 1957 vorgenommen wurde. In ihm heißt es: Der Zaun zwischen den Grundstücken muss hühnerdicht sein. Die eine Seite muss ihn bauen, die andere Seite unterhalten. Welche Seite was tun muss und ob die Hecke dort überhaupt als Zaun zählt, ist seit jeher strittig. Auf jeden Fall wird nun jedes Jahr überprüft, ob der Zaun Hühnerdicht ist. Dabei wird ein Huhn auf der einen Seite des Zaunes, bzw. der Hecke los gelassen, und alle sind gespannt, ob es tatsächlich auf der anderen Seite wieder heraus kommt.

Zu dieser traditionellen „Hühnerprobe“ versammelten sich in der vergangenen Woche nun Birgit Mojen, Vorsitzende des Kirchenvorstandes, Pastorin Ruth Stahlmann-Wendt, Bauunternehmer Marko Seepolt, Sparkassen Vorstandsvorsitzender Heinz Lüers, Neu Wulmstorfs Bürgermeister Wolf-Egbert Rosenzweig und der Notar Dr. Martin Lodert aus Buxtehude, der das Grundbuch verlas. Heiner Schönecke, der „Vater“ aller Elstorfer Hühner, kam mit dem ganz besonders hübschen Huhn Renate, die er sodann auch auf den Weg schickte. Und siehe da, Renate bahnte sich mühelos einen Weg durch die Hecke. So wurde der Gartenzaunkrieg  (auch wie immer) in die nahe gelegene Kneipe verlegt, man beriet sich und kam überein, einen Spendentopf herum gehen zu lassen, in den jeder etwas spendet, um den Zaun, respektive die Hecke, dicht zu machen. 450,- € kamen so auf einen Schlag zusammen und im Verlauf des Abends verlor der Zaun immer mehr an Bedeutung und alle kamen überein, in diesem Jahr das Geld für eine Lautsprecheranlage am Friedhof zu spenden, damit bei größeren Beerdigungen auch all die, die draußen stehen, die Predigten hören können.

Die Sparkasse Harburg-Buxtehude rundete den Betrag großzügig auf 1.000,- € auf, und wenn er in den nächsten drei Monaten nicht für den Zaun abgerufen wird (was er bisher noch nie wurde), dann geht das Geld an das geplante Projekt und alle freuen sich auf die nächste Hühnerprobe.