Rot-Grüne Landesregierung enttäuscht die Gesamtschule Buchholz

Vor gut einem Jahr hat die IGS Buchholz einen  Antrag auf Genehmigung eines Schulversuchs zur Umsetzung des Konzeptes „Sportintensive Schule“ gestellt. Ein umfangreiches und anschauliches Konzept war dem Antrag beigefügt.

Die Schüler, Schülerinnen, Lehrer, Lehrerinnen und Eltern der Integrierten Gesamtschule Buchholz haben umfangreiche Materialien und Forschungsergebnisse zusammengestellt. Viel Zeit und Mühe wurde in die Erarbeitung des Konzeptes investiert. Wissenschaftlich begleitet wurde die Arbeit von Prof. Dr. Christian Pfeiffer, Leiter des kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen.

Obwohl im letzten Jahr mit dem damaligen Kultusminister Dr. Bernd Althusman bereits mündliche Vereinbarungen getroffen waren, übte sich das Ministerium ab Februar in Stillschweigen. Daraufhin stelle der Landtagsabgeordnete Heiner Schönecke im Mai eine „Kleine Anfrage“.

Heiner Schönecke: „Jetzt haben wir die niederschmetternde Antwort erhalten. Rot-Grün zieht nicht mit!“

Iris Gronert, Schulelternratsvorsitzende IGS Buchholz: „Wer die amerikanischen und finnischen Studien gelesen hat, muss in dieser Richtung weitermachen. Leider hat das Kultusministerium in Hannover und die Schulbehörde in Lüneburg nach dem Regierungswechsel unser Konzept nicht mehr unterstützt. Ganz im Gegenteil, in der Schlussphase der Beratungen sind wir nicht einmal beteiligt worden. Ich bin von dieser Vorgehensweise schwer enttäuscht.“

Heiner Schönecke abschließend: „Das ist nun der berühmte offene Dialog mit dem die neue Landesregierung für sich geworben hat. Ablehnung im stillen Kämmerlein.“

 

Fragen an die Landesregierung

1. Wann kann mit einer Entscheidung über den Antrag der Integrierten Gesamtschule Buchholz gerechnet werden?

2. Welche weiteren Schulen sind an der Durchführung des Konzeptes „Sportintensive Schule" in-teressiert?

3. Wie viele Schulen können an dem Schulversuch teilnehmen?

4. Können neben Gesamtschulen auch andere interessierte Schulformen an dem Schulversuch teilnehmen?

5. Sind die dafür bereitgestellten Haushaltsmittel noch verfügbar oder werden diese im Rahmen der Aktion „Klingelbeutel" dem Finanzminister zum Ausgleich der Studiengebühren zur Verfü-gung gestellt?

 

Antwort der Landesregierung

Bereits mit Datum vom 23.04.2012 beantragte die Integrierte Gesamtschule Buchholz einen Schulversuch zu einem spezifischen Bewegungs- und Sportkonzept, das Einfluss auf die Schulleistung von Schülerinnen und Schülern nehmen soll. Grundsätzlich sollte es bei dem Schulversuch darum gehen, die positiven Einflüsse eines täglichen, Fitness orientierten Sportunterrichts auf die Schulleistungen zu gestalten, zu erproben und zu optimieren. Im Antrag der Schule wurde in diesem Zusammenhang auf Forschungsergebnisse aus den USA sowie insbesondere auf den Deutschen Präventionstag 2010 verwiesen. Eine mögliche Stundentafelgestaltung zur Realisierung des beantragten Konzepts war dem Antrag beigefügt.

Die Integrierte Gesamtschule Buchholz erwägt - wie andere Schulen - im Kontext der Ausgestaltung der Ganztagsschule eine von der tradierten 45-Minuten-Einheit abweichende Rhythmisierung des Schultages, die eine veränderte Lehr- und Lernkultur unterstützen soll.

Die Einführung von „neuen" Zeitstrukturierungsmodellen stellt Schulen vor große Herausforderungen in der Stundenplangestaltung und setzt ein hohes Maß an Verantwortung sowohl auf Seiten der Steuerungsverantwortlichen und der Lehrkräfte als auch auf Seiten der Schülerinnen und Schüler voraus. Um insbesondere für die Schulabschlussprüfungen die rechtlich verbindlichen Stundenvorgaben für die Unterrichtsfächer in allen Schulstufen zu erfüllen, ist nachweislich sicherzustellen, dass ggf. aus dem Fachunterricht ausgelagerte Übungszeiten auch tatsächlich für Übung und Vertiefung der fachspezifischen Inhalte für das jeweilige Fach genutzt werden.

Die Darlegungen der Schule konnten insbesondere mit Bezug auf den Fachunterricht nicht überzeugen. Der Antrag konnte von daher nicht genehmigt werden. -2-

Dem Zusammenhang von Bewegung und Lernen wird im Land schon seit langem u. a. mit dem umfangreichen Maßnahmenpaket des erfolgreichen Aktionsplans „Lernen braucht Bewegung" Rechnung getragen. Durch die Umsetzung des in den Aktionsplan eingebundenen Konzepts der „Bewegten Schule" können auch die von der Integrierten Gesamtschule Buchholz angestrebten Ziele erreicht werden, da der umfassende Ansatz der „Bewegten Schule" insgesamt ebenso effizient in seinen positiven Auswirkungen ist, wie das von der Schule vorgeschlagene Konzept. Der Schule ist deshalb empfohlen worden, diesen Ansatz aufzugreifen.

Nach § 22 NSchG können zur Erprobung neuer pädagogischer und organisatorischer Konzepte sowie zur Überprüfung und Fortentwicklung vorhandener Modelle Schulversuche durchgeführt werden. Da der Zusammenhang von Bewegung und Lernen jedoch bekannt ist und entsprechende pädagogische und organisatorische Konzepte bereits vorliegen, bedarf es hierzu keines neuen Schulversuchs. Ebenso wenig fällt die Einführung eines neuen „Zeitstrukturierungsmodells" im Zusammenhang mit der Ganztagsschule in den Bereich eines genehmigungsfähigen Schulversuchs.

Mit Datum vom 20.07.2012 beantragt die Integrierte Gesamtschule Buchholz erneut den o. a. Schulversuch. Obwohl die nunmehr von der Schule vorgelegte Begründung wesentlich umfänglicher ist als die erste, ergeben sich keine neuen Aspekte, die zu einer anderen Einschätzung der Sachlage führen könnten.

Im Juli 2012 wandte sich das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen an das Kultusministerium mit dem Ziel der Durchführung eines schulischen Sportprojekts zur Gewaltprävention. Dieses Projekt deckte sich in wesentlichen Teilen mit dem von der Integrierten Gesamtschule Buchholz beantragten Schulversuch.

Das Kultusministerium richtete daraufhin eine Arbeitsgruppe ein, zu der auch Vertreter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, der Medizinischen Hochschule Hannover sowie der Projektleitung „Bewegte Schule Niedersachsen" gehörten.

Im April 2013 wurde von der Gruppe ein erstes Arbeitspapier vorgelegt, das jedoch noch keine umsetzbare Konzeption enthält. Es zeichnen sich zudem erhebliche personelle und materielle Kosten für die Durchführung eines solchen Projektes ab. -3-

Dies vorausgeschickt, beantworte ich namens der Landesregierung die Fragen im Einzelnen wie folgt:

Zu 1:

Siehe allgemeine Vorbemerkung.

Zu 2:

Dem Kultusministerium liegen keine Anträge weiterer Schulen vor.

Zu 3:

Derzeit gibt es keinen solchen Schulversuch.

Zu 4:

Auf die Antwort zu 3 wird verwiesen.

Zu 5:

Da es diesen Schulversuch nicht gibt, sind auch keine entsprechenden Mittel bereit gestellt worden.