VW Betriebsratschef Osterloh hat Sorge wegen Rot/Grün

   Wolfsburg (dpa) - Europas größter Autobauer hat ein Luxusproblem: Dem für 2018 angepeilten Absatz von 10 Millionen Fahrzeugen ist der Volkswagen-Konzern trotz eines schwierigen Marktes bereits 2012 mit 9 Millionen Autos nahe gekommen. «Wir brauchen eine neue Strategie - wenn wir uns weiter so steigern würden, dann würden wir ja in diesem Jahr schon die gesteckten Ziele von 10 Millionen verkauften Fahrzeugen erreichen», sagt VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh. Zu seinen kurzfristigen Zielen gehört auch eine baldige Begegnung mit der künftigen rot-grünen niedersächsischen Landesregierung.

   Denn diese wird zwei Mitglieder in den VW-Aufsichtsrat entsenden - und damit könnten auch die Grünen künftig im Kontrollgremium mitreden und entscheiden. Mit rund einem Fünftel der Anteile ist Niedersachsen neben den Familien Porsche und Piëch sowie dem Emirat Katar einer der größten Aktionäre bei VW. Geregelt ist, dass zwei Regierungsmitglieder im Aufsichtsrat Platz nehmen. Wenn das Registergericht rechtzeitig entscheidet, könnten sie schon bei der kommenden Aufsichtsratssitzung Ende Februar dabei sein.

   Die Grünen wollen dann inhaltliche Anstöße geben, hatte Grünen- Fraktionsvorsitzender und der mögliche künftige Umweltminister Stefan Wenzel bereits erklärt. Auch zur Gleichstellung von Frauen und der Entwicklung schadstoffarmer Antriebe versprach er Anstöße - und löste damit erste Misstöne aus. «Mich ärgert so was», bekannte Osterloh, und hielt Wenzel einen «gesunde Portion Halbwissen» vor: «Ich fände es gut, wenn man sich erst mal ein bisschen mit dem Unternehmen befasst und dann fragt.»

   Vorschläge, die das Unternehmen voranbrächten, seien willkommen. Kontakte zu den niedersächsischen Grünen habe es zudem bisher noch nicht gegeben. «Es geht um eine vernünftige Auseinandersetzung mit Problemen», unterstrich der Arbeitnehmer- Vertreter und verwies aufs ökologische Engagement des Konzerns, der auch bei der Gleichstellung von Mann und Frau Erfolge vorweisen könne.

   Ökologische Maximalforderungen seien zwar sicherlich schön, müssten aber finanziert werden. Nur wenig hilfreich sei es, wenn Unternehmen Produkte bauen sollen, die nicht gekauft werden und damit Verluste bescheren. «Wir werden dem Kunden doch nicht vorschreiben können: Nun kauf mal ein Batterie-Auto und verzichte auf den anderen Klimbim.» Der VW-Konzern sei in der Lage, jedes Fahrzeug-Konzept anzubieten - aber der Kunde müsse es auch kaufen. «Jede Floskel "Geht mehr in die E-Mobilität" ist schön. Aber wir bauen ja keine Autos für eine Partei oder Organisation, sondern für Kunden», betonte er. «Da haben sich auch ein paar schon verzockt - das sieht man bei den Franzosen, die ja stark in die Batterietechnologie gegangen sind.»

   Auf dem Weg an die Spitze als Weltmarktführer im Wettstreit mit Toyota und General Motors sei im laufenden Jahr beim VW-Konzern jedenfalls Expansion angesagt, betonte Osterloh. Der Aufsichtsrat des Konzerns hatte dafür in der Vergangenheit bereits den Weg für ein 50,2 Milliarden Euro schweres Programm freigemacht, die bis zum Jahr 2015 ins weltweite Werksnetz und neue Technologien fließen sollen. 60 Prozent der Sachinvestitionen sollen allein auf die 27 deutschen Standorte entfallen.