Energiewende in Deutschland

Dr. Werner Marnette, Wirtschaftsminister a.D. S.-H., Ulla Ihnen, Staatssekretärin Nds. Umweltministerium, Dr. Werner Brinker, Vorstandsvorsitzender EWE AG, Heiner Schöncke, MdL

Dass der Weg dorthin äußerst steinig ist, zeigten die Experten auf, die der CDU-Landtagsabgeordnete Heiner Schönecke zu einer Podiumsdiskussion nach Hollenstedt eingeladen hatte. Die Teilnehmer - Schleswig-Holsteins früherer Wirtschaftsminister und langjähriger Vorstand der Norddeutschen Affinerie, Werner Marnette, der Vorstandsvorsitzende des Energieversorgers EWE, Werner Brinker, und die Staatssekretärin im niedersächsischen Umweltministerium, Ulla Ihnen - erläuterten gegenüber den HAN die Hürden bei der Energiewende.

Ihr Fazit ist ernüchternd: "Dramatisch schlecht" habe die Energiewende begonnen, so Marnette. Als Erstes hätte die Bundesregierung eine Bestandsaufnahme machen müssen, wo welche Investitionen notwendig sind. Zugleich fehle eine gezielte Steuerung der erneuerbaren Energien. Marnette ist überzeugt, dass auch weiterhin konventionelle Kraftwerke (Kohle, Gas) benötigt werden, um Schwankungen bei der Leistung von Wind und Sonne auszugleichen. Dies werde aber nicht klar kommuniziert, und so traue sich niemand, in neue Kraftwerke zu investieren. EWE-Chef Brinker sieht das ähnlich: "Netzausbau und Netzstabilität machen große Probleme. Es fehlt ein Generalplan, wer wo wann angeschlossen wird. Wir sind dramatisch in Zeitverzug." Zugleich sei der Energieversorger verpflichtet, jede Anlage ans Netz anzuschließen. Einig waren sich alle drei Redner, dass Offshore-Windenergie eine wichtige Rolle spielt.

Hinsichtlich der Preisentwicklung kritisierte Marnette, dass Strom nicht nur für Haushalte, sondern auch für Unternehmen immer weniger bezahlbar sei. "Dabei ist es vor allem der Staat, der kassiert." Brinker warnte gleichzeitig davor, als Versorgungsunternehmen auf 100-prozentige Eigenerzeugung zu setzen. "Dann findet kein Wettbewerb mehr statt." Deswegen widersprach Staatssekretärin Ihnen auch Marnette, der eine engere Zusammenarbeit der Nord-Länder, insbesondere bei Offshore-Energie, forderte. "Die Interessen der Länder sind zu unterschiedlich. Herr Brinker wird sich nicht vorschreiben lassen, wo er zu investieren hat."

Das einstweilige Fazit daher: "Wir brauchen ein bundesweites Gesamtkonzept, dürfen aber Europa nicht aus den Augen verlieren. Dass Österreich Geld von uns bekommt, wenn es unseren Strom abnimmt, ist absurd", so Marnette.

CDU und Wählergemeinschaft im Kreistag schlagen als Rahmenbedingungen für den Ausbau erneuerbarer Energien im Landkreis vor allem bestehende Anlagen (Wind, Biogas) zu vergrößern oder zu erweitern. Fotovoltaik soll überall möglich sein, nicht aber auf landwirtschaftlichen Flächen.