Zukunftswerkstatt steht auf der Kippe

Seit der Schlappe im Kreisausschuss sind der Landkreis, der Vorstand des Fördervereins Zukunftswerkstatt Buchholz und der Stiftungsrat mächtig am Rotieren: Denn für den Neubau gibt es nach Informationen des Hamburger Abendblattes einen noch offenen Finanzierungsbedarf von 300.000 Euro. Und auch bei den laufenden Kosten sieht es alles andere als rosig aus: Hier herrscht bis zum Jahr 2016 derzeit eine Lücke von 411.000 Euro.

So lautet denn auch der Befund des Christdemokraten Aldag: "Kostenrechnerisch müssen wir nacharbeiten. Es muss bei den Einnahmen oder bei den Ausgaben für die Zukunftswerkstatt noch etwas passieren." Der grüne Kreistagsabgeordnete Erhard Schäfer findet noch deutlichere Worte. "Die Finanzierung der Zukunftswerkstatt ist völlig aus dem Ruder gelaufen, sie muss noch einmal im Kreistag beschlossen werden", sagt er. "Es besteht die Gefahr, dass diesem Leuchtturmprojekt vorzeitig das Licht ausgeht." Auch der Sozialdemokrat Jens-Rainer Ahrens ist besorgt: "Das Projekt steht auf der Kippe."

Das sah am Nachmittag des 27. Juni dieses Jahres noch ganz anders aus. Die Stimmung war hervorragend in Buchholz. Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) war aus Hannover in die Nordheide gereist, um auf dem Gelände des Schulzentrums am Kattenberge einen Spatenstich für ein "Leuchtturmprojekt" vorzunehmen: die Zukunftswerkstatt Buchholz - eine Einrichtung, die Schüler für Naturwissenschaften und Technik begeistern will. Auch Landrat Joachim Bordt stach den Spaten in die Erde, genau wie der niedersächsische CDU-Landtagsabgeordnete Heiner Schönecke. Alle waren sich sicher: Hier wird ab dem Schuljahr 2013/14 Leben in die Bude kommen, hier werden, so der Kultusminister, die "theoretischen Nobelpreisträger von morgen" lernen und forschen.

Mitte Oktober sieht die Lage für das "Leuchtturmprojekt" nicht mehr so gut aus. Es fehlt das Geld. Ursprünglich sollte die Zukunftswerkstatt 2,15 Millionen Euro kosten. Das Architektenbüro Bow aus Braunschweig und Hamburg legte einen Entwurf vor, der 2,63 Millionen Euro vorsah.

Das war dem Bauherrn, dem Landkreis Harburg, jedoch zuviel. Es wurde gestrichen: Unter anderem fielen die Akustikdecken weg, und das Gebäude wurde um 55 Quadratmeter kleiner. So lag der Preis bei 2,32 Millionen Euro. Das Problem ist aber: Es kommen durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung - er schultert mit 1,3 Millionen Euro den Löwenanteil -, durch den Förderfonds Hamburg-Niedersachsen, durch den Landkreis Harburg (280.000 Euro) und andere Geldgeber nur 2,02 Millionen Euro zusammen: Macht die Lücke von 300.000 Euro für den Bau.

Probleme kommen für den Landkreis Harburg nach dem derzeitigen Planungsstand aber auch bei den laufenden Kosten wie für zwei pädagogische Mitarbeiter und eine Leitung zu. Allein für 2013 fehlen derzeit 78.400 Euro. Für die müsste auch der Landkreis Harburg gerade stehen: Denn in einer internen Verwaltungsvorlage heißt es: "Der Landkreis sieht von 2012 bis 2017 einen Betrag von jährlich bis zu 100.000 Euro vor, um in der Startphase etwaige Einnahmeausfälle kompensieren zu können."

Heiner Schönecke, CDU-Kreistagsabgeordneter und Mitglied des Stiftungsrates der Zukunftswerkstatt, gibt sich trotz der Finanzierungsprobleme optimistisch. "Wir wollen die Ausfallbürgschaft des Landkreises nicht in Anspruch nehmen", sagt er. "Ich möchte durch mehr Spenden, mehr Mitglieder und mehr Ehrenamtliche diese Summe auf Null fahren. Vielleicht wird die Zukunftswerkstatt so ein Erfolg, dass wir sie 2017 schon ausbauen müssen."