Besuch der Schäferei Herold

 

Die Schäferei Herold bewirtschaftet ca. 650 ha Heide im „Naturschutzgebiet Lüneburger Heide“. Ihre Hüteherde besteht aus 350 Heidschnucken, 50 Ziegen und 7 Pferden. Die Heidschnuckenherden sind seit Generationen unverzichtbare Helfer in den Heideflächen des NSG „Lüneburger Heide“ Schnucke, Ziege und Pferd erhalten gemeinsam das einmalige Landschaftsbild.

Der Wolf wird zunehmend ein Problem für die Schäfer. An ca. 290 Tagen jährlich wird die Heidschnuckenherde der Familie Herold gehütet. Eine Person hütet die Herde, und eine Person baut täglich die Zäune für den Nachtpferch. Seit 2007 sind es ca. 540 km bewegliche Zäune, zur Sicherung gegen den Wolf, und Festeinzäunungen.

2007 gab es den ersten Übergriff auf die Herde. Zwei getötete Tiere, zwei weitere waren so schwer verletzt, dass eine Nottötung gemacht werden musste.

Andrea Herold: „Seit 2014 nimmt der Wolfsbestand stetig zu, mit der Folgen von Stressschäden, total panischen Tieren die ihre eigenen Lämmer töten und selbst uns angreifen. Die Herde ist nach einem Wolfsangriff oder auch nur einer Sichtung sehr schwierig zu hüten, da die Hütehunde sich der Herde nicht mehr nähern dürfen. Der Bestand an Reh- und Rotwild nimmt in unseren Hütegebieten jährlich ab. Dadurch erhöht sich bereits jetzt der Druck auf unsere Heidschnucken Herden und die Ziegen . Die Übergriffe während des Hütens bestätigen dies. Momenten greifen Einzelwölfe an, in naher Zukunft werden sie im Rudel angreifen. Die Unterhaltung, Reparatur und tägliche Kontrolle der Einzäunungen, der Zukauf von Mutterschafen, die Kürzung der Prämie durch zu kurze Beweidung wegen des Wolfes, 30% weniger Lämmer aufgrund des Stresses stellen einen erheblichen zusätzlichen Arbeits- und Kostenaufwand dar.“

Heiner Schönecke: „Die Heidschnucke ist ein unverzichtbarer Landschaftspfleger der Heidefläche und auf den Deichen sorgen die Schafe mit der Deichbeweidung für den Küstenschutz. Wir müssen endlich dafür sorgen, dass die Schäfereien ausreichend finanzielle Unterstützung zur Absicherung ihrer Herden bekommen.“

Lena Düpont: „Bei der Frage nach dem richtigen Umgang mit dem Wolf und der Unterstützung für Schäfereien sind alle politischen Ebenen gefragt an einem Strang zu ziehen. In einer Befragung des EU-Umweltkommissars Virginijus Sinkevičius habe ich deutlich gemacht, dass besonders Schafe und Pferde in meiner Heimat eine enorm wichtige Aufgabe im Natur- und Landschaftsschutz erfüllen. Wichtig ist auch, dass Naturschutz und der ländliche Raum nicht gegeneinander ausgespielt würden.“

Aktuell gibt es in Niedersachsen über 26 Wolfsrudel. Bei einem Rudel geht man von 8 bis 10 Einzeltieren aus, daher schätzt man heute die Anzahl der Wölfe in Niedersachsen auf rund 240 Tiere.

Diese Zahl hört sich zunächst einmal nicht sehr hoch an. Geht man aber davon aus, dass sich Wölfe wie Hunde vermehren, ein Wurf pro Jahr mit vier bis sieben Jungen, kommt es zu einem schnellen Anstieg der Population. Jedes Wolfsrudel, bestehend aus den Eltern und Jungtieren, beansprucht ein Territorium von ca. 200 – 350 Quadratkilometermeter, das ist ca. ¼ der Fläche des Landkreises Harburg.

Die Zahl der Angriffe von Wölfen auf Nutztiere hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Wölfe haben in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern im vergangenen Jahr mehr als 1.000 Schafe, Ziegen und Rinder gerissen. Mehr als die Hälfte der Risse im Jahr 2019 wurde in Niedersachsen verzeichnet. Nach Angaben des Umweltministeriums wurden bei 192 Angriffen von Wölfen insgesamt 591 Tiere gerissen. Damit stieg die Zahl im Vergleich zu 2018 in Niedersachsen sogar um 65 Prozent. (Quelle NDR)

André Bock: „Die CDU-Landtagsfraktion hat vor kurzem als politisches Ziel beschlossen, dass der Wolf bei der nächsten Novelle des Jagdgesetzes mit ins Jagdrecht aufgenommen wird. Dies ist natürlich nur ein erster Schritt. Vielmehr müssen wir uns politisch mehr die wirtschaftlichen Belange auch der Schäfereien kümmern. Wir können froh sein, dass wir trotz enormer Herausforderungen noch Betriebe in unserer Region haben.“

Seit Jahren sind die Probleme im Umweltministerium bekannt, aber bis jetzt hat sich Minister Lies gesträubt Konsequenzen aus den Informationen zu ziehen. Seit Mai liegt endlich der Entwurf einer Wolfsverordnung vor. Darin sind auch Sonderregeln für die Lüneburger Heide angedacht. Hier müssen die Schafe nicht eingezäunt werden, es reicht, wenn der Schäfer sie bewacht. Wölfe, die Tiere reißen, können dann sofort geschossen werden.

„Mir geht diese Verordnung nicht weit genug. Die Schäfereien müssen weiterhin damit leben, dass ihre Herden angegriffen werden. Wir müssen konsequent wolfsfreie Gebiete ausweisen. Dort wo die Tiere nicht ausreichend geschützt werden können, darf der Wolf erst gar nicht sesshaft werden“, Heiner Schönecke abschließend.