Hamburgs Durst lässt die Heide wackeln

Ist sie aber nicht. Denn seit Jahren schwelt ein Konflikt um das Trinkwasser für die Großstadt aus der Nordheide. Noch immer fehlt ein gültiges Verwaltungsabkommen zwischen Hamburg und Niedersachsen, das die Entnahme durch das Unternehmen Hamburg Wasser verbindlich regelt. "Beide Seiten sind bemüht, baldmöglichst eine Einigung zu erzielen", sagte jetzt eine Sprecherin des niedersächsischen Umweltministeriums. Im Klartext heißt das: Die Sache hakt noch immer.

Seit den 70er-Jahren ist die wachsende Metropole auf das stetig sprudelnde Trinkwasser rund um Hanstedt angewiesen. Bis zum 31. Dezember 1999 regelte ein Verwaltungsabkommen die rechtlichen Einzelheiten der Wassergewinnung für Hamburg in Niedersachsen. Doch mit Ablauf des Vertrages pumpt Hamburg Wasser ohne weitere rechtliche Regelungen aus der Nordheide - jährlich rund 15,7 Millionen Kubikmeter. 15 Prozent des städtischen Trinkwassers stammen somit aus Niedersachsen. Weil der Durst der wachsenden Stadt weiter steigt, hat Hamburg Wasser eine Erhöhung der Fördermenge auf 16,6 Millionen Kubikmeter pro Jahr beantragt - nach Ansicht von Experten ein viel zu hohes Volumen.

Noch ungeklärt sind nach Angaben der Hamburger Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt einige rechtliche Fragen und die Gründung eines Fonds, für den sich seit Langem der Neu Wulmstorf-Elstorfer CDU-Landtagsabgeordnete Heiner Schönecke einsetzt. "Mit dem Generalplan Heidewasser habe ich praktisch einen sogenannten Wasserpfennig vorgeschlagen. Der soll in einen gemeinsamen Topf fließen und Ausgleichsmaßnahmen finanzieren." Konkret geht es darum, Quellgebiete, Auen und Laubwälder zu renaturieren - mit dem Ziel, dass dort neues Grundwasser entsteht. "Dieser Fonds", sagt der Politiker, "muss von Hamburg Wasser gespeist werden." Unterstützung erhält Politiker Schönecke von Niedersachsens Umweltminister Stefan Birkner (FDP), der sich "aufgeschlossen" gegenüber einem solchen Generalplan zeigt. Der Fonds soll nach Schoeneckes Plänen rund zwei Millionen Euro umfassen.

Tatsächlich aber ist Profil und Finanzierung eines solchen Fonds noch immer umstritten. "Diskussionspunkte sind Art und Laufzeiten der wasserrechtlichen Zulassung und die Ausstattung eines von Hamburg Wasser nach Erteilung der wasserrechtlichen Zulassung einzurichtenden Fonds. Er soll der Entwicklung von Projekten zur Entwicklung von Natur und Wasserhaushalt im Trinkwassergewinnungsgebiet dienen", sagt Kerstin Graupner, Sprecherin der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt.

Wie der Chef von Hamburg Wasser, Michael Beckereit, rechnet offenbar auch die Behörde nicht mit einer Zulassung im nächsten Jahr, sondern erst für 2014. Immerhin seien sich Hamburg und Niedersachsen, heißt es im Senat, in vielen strittigen Verfahrungsfragen näher gekommen. Wenn die Konfliktpunkte dann doch noch geklärt sind, könnte das Abkommen sogar in diesem Jahr unterzeichnet werden.

Noch immer gibt es kein Abkommen über das Trinkwasser aus der Nordheide. Konfliktpunkt bleibt ein Fonds für Natur- und Umweltprojekte. Ein Abschluss wird für dieses Jahr erwartet.