Pendlerfrust am Bahnhof Tostedt

 

Doch sowohl die Geduld als auch das Verständnis sind bei den Reisenden erschöpft. Neben den Pendlern mit schweren Aktenkoffern oder Fahrrädern und Urlaubern mit Gepäck, sind besonders die Menschen mit Behinderungen, die bei der Lebenshilfe Tostedt arbeiten, betroffen.

In dieser Woche hat sich der Landtagsabgeordnete Heiner Schönecke (CDU) mit Mitgliedern des Fahrgastbeirates und der Lebenshilfe auf dem Bahnhof getroffen. Vorort hat man die unhaltbare Situation erörtert.

Sehen Sie hier das Interview auf YouTube https://www.youtube.com/watch?v=CIN4GcfOmmg&t=32s  

Heiner Schönecke: „Ich habe eine Antwort auf mein Schreiben an Bahnchef Dr. Lutz erhalten. In dem Schreiben wird bestätigt, dass die Situation unglücklich und ärgerlich ist, aber eine Lösung, außer „wir beeilen uns“ wird nicht wirklich angeboten“

Mit fast 5 Millionen Euro Steuergeldern wurde die Bahnhofsrenovierung durch die Gemeinde und das Land Niedersachsen unterstützt.

„Die Fahrstühle haben von Anfang an nicht richtig funktioniert. Es ist bereits zu Feuerwehreinsätzen zur Rettung feststeckender Fahrgäste gekommen,“ so Burkhard Allwardt, Ratsherr der Samtgemeinde Tostedt.

Klaus Steinfatt, Fahrgastbeirat: „Mit der Einweihung des Bahnhofes begann der Verfall.“

Dass der Fahrstuhl jetzt ausgetauscht wird ist konsequent und zu begrüßen, aber warum muss das 5 Monate dauern? Da wird der Fahrstuhl auch schon mal mit dem Berliner Flughafen verglichen.

„Das ist Schwerstarbeit für mich. Immer wieder beobachte ich, dass tagelang keine Arbeiter Vorort sind. Das ist planerische Inkompetenz,“ so Jürgen Maack, der dreimal wöchentlich seinen schweren Aktenkoffer einmal Treppe rauf und wieder runter schleppen muss.

Besonders betroffen ist die Lebenshilfe Tostedt. Damals wurde extra eine Rampe auf der Seite der Lebenshilfe gebaut, damit die Menschen leichter an ihren Arbeitsplatz kommen können.

Timo Leven, Leiter der Lebenshilfe Tostedt: „Wir haben eine Mitarbeiterin mit einem Rolli, die fährt erst bis Rotenburg, dort funktionieren die Fahrstühle, und fährt dann zurück um den Fahrstuhl auf Gleis drei/vier zu nutzen. Eine andere Möglichkeit wäre über die Brücke mit einem Umweg von einem Kilometer, auch keine sinnvolle Alternative.“

Gemeinsam war man der Ansicht, das gegen den Monopolisten Deutsche Bahn nur konzertierte Maßnahmen mit der Politik helfen. Denn wie in der Wohnungswirtschaft, wo Vermieter mit Mietminderungen rechnen müssen, falls ein Fahrstuhl zu lange ausfällt, zahlt man bei der DB immer den vollen Preis.

Heiner Schönecke abschließend: „Ich lade die Mitglieder des Vorstandes und Aufsichtsrates herzlich nach Tostedt ein um sich selbst ein Bild von der Situation zu machen. Das Ganze hat mit Servicequalität nichts mehr zu tun.“

 

Heiner Schönecke im Gespräch mit Gästen des Fahrgastbeirates, Klaus Steinfatt und Burkhard Allwardt sowie von der Lebenshilfe Tostedt Timo Leven und Martin Langer.Als Betroffene schildern Svenja Matthies und Jürgen Maack ihre Erfahrungen.