Niemand hat die Absicht Einfamilienhäuser zu verbieten

Das Einfamilienhaus steht immer mehr in der Kritik. Nur sind es wirklich ökologische oder nicht meist eher ideologische Gründe, die dafür verantwortlich sind?

Grundstücke werden in Deutschland immer kleiner. Auf rund 400 Quadratmetern Grund steht heute ein Haus im Schnitt, früher waren es mal 600 Quadratmeter. Ein riesiger Flächenfraß rufen trotzdem viele, in einem Stadtteil in Hamburg werden daher schon keine neuen Einfamilienhäuser mehr genehmigt. Und überhaupt ist das Haus auf dem Land „ökologischer Wahnsinn“, heißt es von Städtern immer wieder. Jenen Städtern, die sich vor der eigenen Haustür gegen Nachverdichtung und Aufstockung wehren und so fleißig die Kosten für Wohnungen in schwindelerregende Höhen treiben. Wenn das nicht reicht, wird künstlich nachgeholfen im Kampf gegen die „Ausgeburt der Umweltzerstörung“. Die jüngste Änderung: Strengere Regeln für Bauabfälle – selbst Bodenaushub muss dann öfter auf spezielle Deponien. Bis zu 80.000,- Euro Mehrkosten für ein Einfamilienhaus mit Keller könnte das bedeuten, rechnen Spezialisten vor.

Bauvorschriften und Öko-Kostenlawinen sollen das Einfamilienhaus unattraktiv machen...
Klar, das ist kein Verbot für das Einfamilienhaus. Aber man kann Menschen eben auch mit Bauvorschriften und Öko-Kostenlawinen zwingen, sich dem „kollektiv gewünschten Wohnen“ unterzuordnen. Warum das aber besser sein soll, erschließt sich nicht. Ein großer Garten weist mehr Biodiversität auf als die meisten Freiflächen in einer Großstadt. Es geht in der Baupolitik offenbar weniger um gutes Bauen, sondern an vielen Stellen mehr darum, den „Provinzlern“ endlich vor Augen zu führen, dass „ihr Lebensstil“ falsch sei. Und das hat leider Methode!

Schon immer galten in bestimmten Kreisen die „spießigen Bausparer auf dem Land“ als die „Ewiggestrigen“ mit veralteten Lebensentwürfen. Konservativ, spießig und irgendwie dumm. Denn es war ja absehbar, dass ihre neu gebauten Häuser in den Orten mit sinkenden Einwohnerzahlen bald sowieso wertlos sein würden. Doch dann – spätestens ab dem Jahr 2005 – stiegen und stiegen die Mieten in Deutschland, Wohnraum wurde immer knapper. Heute zeigt sich, dass die Städter, die auf Miete statt Kauf setzten, seit Jahren an ihrem eigenen sozialen Abstieg gearbeitet haben. Inzwischen gilt der Wohnungsmarkt in 367 Städten in Deutschland als „angespannt“, es gelten Mietpreisbremsen und andere Maßnahmen.

Viele kleine Gemeinden setzen seit vielen Jahren auf das Einheimischenmodell. Es ermöglicht über Pacht, Erbbaurecht oder Kauf zum Verkehrswert eines Grundstückes jungen Familien mit weniger Geld, sich den Traum vom „spießigen“ Eigenheim zu erfüllen. Andere machen Vergaben nach Konzept statt nach Höchstpreisen. In vielen Großstädten hingegen versucht man es mit Bieterverfahren und Vorgaben an Bauherren etwa über den 30-prozentigen Anteil an preisgebundenen Wohnungen. Das Ergebnis: Der Entwickler schlägt auf die übrigen 70 Prozent der Wohnungen umso mehr auf den Preis auf. Auf der einen Seite wohnen dann im Neubau 30 Prozent Transferzahlungsempfänger, auf der anderen Seite überdurchschnittlich Reiche. Für die Mittelschicht bleibt kein Platz mehr. Anders gesagt: Ein besseres Geschenk, als Bauland zu verknappen, kann die Politik reichen Menschen gar nicht machen.
Junge Familien mit Kindern, ziehen nicht nur als Konsequenz aus Corona gerade scharenweise aufs Land. Man kann ihnen mit ideologischer und überregulierter Öko-Baupolitik Knüppel zwischen die Beine werfen oder man kann Ihnen echte Angebote machen. Das eine stärkt die Wohnungsnot in den Städten, das andere stärkt das Landleben.