Die Autobauer setzen auf Elektromobilität – aber bei den Kunden wachsen die Vorbehalte

 

Mehr als die Hälfte hat kein Interesse: Für 55 Prozent der Niedersachsen kommt der Umfrage zufolge ein E-Auto nicht in Frage. Knapp 30 Prozent können sich zwar vorstellen, ein Elektroauto zu kaufen, die Mehrheit aber erst in etwas fernerer Zukunft. Im Vergleich zum Ende vergangenen Jahres ist die Gruppe derer, die mit einem Kauf lieber noch warten wollen, deutlich gestiegen. „Der Winter hat Spuren hinterlassen. Mit dem Wintereinbruch und den niedrigen Temperaturen im Februar ist auch die Begeisterung für Elektromobilität gesunken“, meint Volker Schmidt, Geschäftsführer der Drei-QuellenMediengruppe. Die Minus-Grade hätten auch zu einer Debatte über die Leistungsfähigkeit der E-Auto geführt. Für die Industrie unglücklich ist zudem, dass die kaufkräftige Zielgruppe der über-60-Jährigen die E-Mobilität besonders skeptisch sieht. Hier käme der Kauf eines Elektroautos nur für jeden Fünften in Frage. Am stärksten ist das Akzeptanz mit 37 Prozent ausgerechnet in der jüngsten Zielgruppe, in der nicht nur weniger Geld zur Verfügung steht, sondern in der viele darüber nachdenken, ob sie überhaupt noch ein eigenes Auto brauchen. Ein neues Auto will die junge Zielgruppe tendenziell ohnehin nicht kaufen. Dadurch sinkt das Marktpotenzial künftiger E-Autos einmal mehr. 

Es hapert an den Ladestationen: Es gibt mehrere Gründe für die Vorbehalte gegen E-Autos, aber gleich zwei Punkte stehen mit jeweils 61 Prozent an der Spitze: Zum einen die aus Sicht der Niedersachsen zu geringe Anzahl an Ladestationen, zum anderen die zu geringen Reichweiten der Fahrzeuge. Auf der Negativ-Seite sehen die Niedersachsen zudem die Anschaffungskosten. 55 Prozent haben inzwischen Zweifel, ob Elektroautos wirklich so umweltfreundlich sind, wie vielfach behauptet wird.  

Umwelt-Vorgaben statt E-Auto-Bonus: Nur ein Viertel der Niedersachsen findet die aktuelle gezielte Förderung der E-Mobilität richtig. Der mit 45 Prozent weitaus größere Teil meint, es solle lediglich Vorgaben für Umweltfreundlichkeit geben. Diese Meinung vertreten mehrheitlich auch die Anhänger von Union und SPD, die derzeit die Bundesregierung stellen und die E-Auto-Förderung beschlossen haben. Aber auch 42 Prozent der Grünen-Anhänger fänden Vorgaben sinnvoller als die aktuelle Förderpolitik, die nur von 38 Prozent der Grünen-Wähler als richtig empfunden wird.  

Abseits der Debatte um Elektromobilität setzen die Niedersachsen weiterhin generell auf das Automobil. Rund die Hälfte nutzt das Auto täglich oder sogar mehrmals täglich. Eigentlich ist das keine Überraschung, schließlich leben zwei Drittel der Niedersachsen jenseits der Ballungsräume. Auf Platz zwei steht das Fahrrad, auf das sich fast jeder fünfte mindestens einmal am Tag setzt. Im Vergleich dazu spielen Busse und Bahnen in Niedersachsen nahezu keine Rolle in der täglichen Mobilität. So ist es kein Wunder, dass 91 Prozent der Niedersachsen das Auto für unverzichtbar oder für schwer verzichtbar halten. Über 80 Prozent wollen das Fahrrad nicht missen, 60 Prozent Stadt- und Regionalbusse. „Die Liebe zum eigenen Auto ist bei den Niedersachsen ungebrochen, der Personenwagen dominiert die Mobilität“, so das Fazit von Volker Schmidt. Er verweist auch auf die wirtschaftliche Bedeutung der Branche. „Kein anderes Bundesland hängt so sehr am Auto wie Niedersachsen“, betont Schmidt. Allein in der Industrie seien 62 Prozent der Beschäftigten irgendwie mit der Branche verbandelt – der mit Abstand höchste Wert unter allen Bundesländern.