Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde!

 Wagen wir einen kleinen Rückblick.

Der Vater der Aldi-Brüder war ein Bäcker, der aus gesundheitlichen Gründen seinen Beruf nicht mehr ausüben konnte. 1913 machte er sich mit einem Brotverkauf selbstständig und seine Frau Anna eröffnete einen kleinen Tante-Emma-Laden. Die erste Discount-Filiale unter dem Namen Aldi öffnete 1962.

1949 gründete Werner Otto das Unternehmen Otto-Versandhandel, im Frühjahr 1950 erschien sein erster Katalog. Heute ist das Unternehmen weltweit tätig und erzielt 74% seines Umsatzes mit dem Onlinehandel.

1994 gründete Jeff Bezos das Mutterunternehmen Amazon als Onlinebuchhandlung. 2015 war Amazon mit Abstand der größte Onlineversand weltweit. Die Otto-Group rangiert auf dem sechsten Platz. (Quelle: Handelsdaten)

Sind Aldi, Otto und Amazon Erfolgsgeschichten oder verantwortlich für Tante Emmas Tod?

Die Gesellschaft und damit ihre Rahmenbedingungen unterliegen einem ständigen Wandel. Darf Politik das verhindern? Politik muss neue Entwicklungen rechtzeitig erkennen und richtig lenken. „Wer aufhört, besser zu werden, hat aufgehört, gut zu sein“, sagte einst der Unternehmer Philip Rosenthal.

Seit dem 18. Januar 2020 gibt es den ersten vollautomatischen Supermarkt in Düsseldorf, dort stellt ein Roboter die Einkäufe zusammen.

Wir werden den Fortschritt nicht aufhalten und dürfen es auch nicht. Hätten unsere Vorväter alles Neue verhindert, wo wären wir dann?

Was bedeutet das für die Attraktivität des Lebens auf dem Land und in kleineren Städten?

Vielleicht haben sie eine Chance. Corona hat vieles verändert. In Teilen können die kleineren Städte und Dörfer davon profitieren. Homeoffice und Shared-Spaces werden die Zukunft sein. Ein neues Verständnis für Regionalität und Natur hat sich in den letzten Jahren entwickelt. Die kleinen Städte und Gemeinden können davon profitieren, dass die Menschen nicht jeden Tag an den Arbeitsplatz in die großen Zentren fahren müssen. Die Menschen werden wieder mehr die Angebote in der Nähe ihrer Wohnung nutzen.

Politik darf sich nicht gegen die Entwicklung stellen, das ist nicht die Aufgabe. Angebot und Nachfrage regeln das. Die Unternehmer und Besitzer der Immobilien in den Innenstädten werden sich der Herausforderung stellen müssen, nur wer innovativ ist, wird überleben.

Politik muss jetzt die Weichen für intelligente Lösungen stellen. Dazu gehören individuelle Zukunftskonzepte. Diese sollte man breit diskutieren, nicht nur in der Politik, sondern mit allen relevanten Akteuren, die heute die Innenstädte prägen. Dazu gehören natürlich auch die Kirchen, die Vereine und Verbände.

Mit freundlichen Grüßen aus Hannover
Heiner Schönecke, MdL