Ist Fleisch noch Fleisch?

Tierische Lebensmittel haben seit Jahrtausenden die Entwicklung des Menschen begleitet und geprägt. Wir können heute ganz genau die gesundheitlichen Auswirkungen unserer Ernährung beurteilen. 

Passen unsere Erkenntnisse zu den neuesten Forschungen und Erfindungen?

Forscher sind seit längerem dabei, an einem Radikalumbau der Lebensmittelherstellung zu basteln. Durch neueste Entwicklungen wird versucht, Lebensmittel industriell zu erzeugen.

Zur Produktion der alternativen Fleischerzeugung werden neuartige Verfahren aus künstlichen bzw. aus Stammzellen umprogrammierten Mikroorganismen, aus reinpflanzlichen sowie aus teilweise tierisch gezüchteten Zellkulturen genutzt. Was in der Fertigungsindustrie bereits genutzt wird, soll auch in der Lebensmittelherstellung Anwendung finden. Das Steak aus dem 3-D-Drucker ist längst keine Utopie mehr. 

Auch deutsche Lebensmittelkonzerne und Fleischfabrikanten sind an den Forschungen interessiert. Wursthersteller wie Rügenwalder Mühle sind mit Fleischersatzprodukten schon erfolgreich am Markt. Große Firmengruppen mit Produktionsstätten in Niedersachsen, wie Wiesenhof und Tönnies, engagieren sich in den Start-ups und sind in der Forschung von so genannten Alternativprodukten aktuell beteiligt.

Diese Forschung haben durchaus ihre Berechtigung. Für das Jahr 2050, wenn knapp zehn Milliarden Menschen den Planeten besiedeln könnten, wird mit einer Fleischproduktion von 470 Millionen Tonnen – fast 50% mehr als im Jahr 2013 – gerechnet. (Studie der Leopoldina). Dafür müssten bis zu sechs Millionen Quadratkilometer neue Agrarflächen geschaffen werden. Rindfleisch aus Zellkulturen verbraucht 95% weniger Fläche, spült 94% weniger Schadstoffe in Gewässer und erzeugt ca. 80% weniger Klimagase. (Studien University of Oxford / Arizona State University).

Warum bezeichnen wir die Produkte nicht als das was sie sind? Es sind industriell gefertigte Ersatzprodukte und eben kein Fleisch. Vom Handel wird erwartet, dass genau bezeichnet wird, was in der Packung ist, Herkunft, Inhaltsstoffe, gesundheitliche Auswirkungen, Bio oder nicht. Heute können wir nachvollziehen, was wir essen.

Warum gibt die EU das nicht auch für die industriellen Analogprodukte vor? Analogkäse ist kein Käse aus der Milch von Kühen, das Steak aus dem 3-D-Drucker ist kein Steak von niedersächsischen Weiderindern, es ist eine industriell gefertigte Masse. Können wir zukünftig noch nachvollziehen, was wir essen und welche gesundheitlichen Auswirkungen diese Ernährung hat?

Steak aus dem 3-D-Drucker mag die Zukunft sein, für die Ernährung der Weltbevölkerung und den Klimaschutz, aber jetzt und heute kommt ein Großteil unserer Nahrungsmittel aus der Landwirtschaft, von echten Kühen und Schweinen.

Diese Produkte gilt es zu schützen - nur wo Fleisch drin ist, darf auch Fleisch draufstehen. Die EU muss ihre bisherige Position überdenken und Klarheit schaffen. Die Diskussion muss zurück in die Parlamente, nicht nur in Brüssel, auch in Berlin und Hannover.