Landwirte pochen auf Ausgleich für Gänse- und Kranichschäden

„Die Bestandszahlen haben sich von einst um die 30.000 auf mittlerweile etwa eine Million Tiere erhöht, ein Bestandsschutz ist nicht mehr notwendig“, sagt Carl Noosten vom Landwirtschaftlichen Hauptverein für Ostfriesland (LHV). Die Folgen sind für die Landwirte überall sichtbar: Die Tiere bleiben häufig das ganze Jahr an der niedersächsischen Küste und schon längst besiedeln sie nicht allein die Vordeichflächen, sondern fliegen weit bis ins Hinterland. „Der Ausgleich der Schäden wurde immer wieder zugesagt, aber wir Landwirte wurden immer wieder vertröstet“, schildert Klaus Borde vom LHV. Die Landwirte fordern einen echten Ausgleich der verursachten Schäden, unabhängig von überholten Gebietskulissen oder rechnerisch ermittelten Durchschnittswerten. „Landwirte müssen den durch die Gänse verursachten finanziellen Schaden voll ausgeglichen bekommen“, sagen Noosten und Borde. 

Sie sehen zudem die Notwendigkeit, die Bestandszahlen der Gänse zu reduzieren und schlagen dafür einen Managementplan vor. Die starke Ausbreitung der Tiere geht voll zu Lasten der landwirtschaftlichen Betriebe und trifft sie in ihrer Wirtschaftlichkeit. Das Problem kennen alle Landwirte an der Küste und entlang der Flussniederungen oder Binnenseen. Die Landwirte sehen aktuell kaum eine Chance zur Schadensabwehr. Die Tiere zu vergrämen, ist für Noosten und Borde keine nachhaltige Lösung. „Die Gänse ziehen nur kurzzeitig weiter“, schildert Borde. Die Gänse fressen Wiesen und Felder kahl, verkoten die Flächen und machen sie damit für eine landwirtschaftliche Nutzung zunächst unbrauchbar. Problematisch sind für die Landwirte sowohl die immens gestiegene Zahl als auch die deutlich längere Zeitspanne, in der die Gänse an der Küste bleiben. Ursprünglich kamen sie nur zu kürzeren Rastzeiten, mittlerweile sind sie mehr oder weniger sesshaft geworden und verdrängen Wiesenbrüter wie Kiebitze oder Austernfischer.

Das gleiche Problem trifft auch den Landkreis Harburg und die angrenzenden Kreise. Hier handelt es sich um die Kraniche, die den Landwirten seit Jahren das Leben schwermachen. In den Landkreisen Harburg, Rotenburg und Heidekreis brüten die Kraniche bevorzugt in den wiedervernässten Mooren wie z.B. im Tister Moor. In den letzten Jahren ist zu beobachten, dass sie auf landwirtschaftliche Flächen ausweichen. Die Tiere rupfen ganze Kartoffelacker und zerstören die Maissaat. Einen Fördertopf wie bei den Gänsen gibt es für die Kraniche nicht.