Wolfsalarm in Niedersachsen

Seit 2002 gibt es den Wolf wieder in Niedersachsen. Aktuell gibt es bei uns über 26 Wolfsrudel. Bei einem Rudel geht man von 8 bis 10 Einzeltieren aus, daher schätzt man heute die Anzahl der Wölfe in Niedersachsen auf rund 240 Tiere.

Diese Zahl hört sich zunächst einmal nicht sehr hoch an. Geht man aber davon aus, dass sich Wölfe wie Hunde vermehren, ein Wurf pro Jahr mit vier bis sieben Jungen, kommt es zu einem schnellen Anstieg der Population. Jedes Wolfsrudel, bestehend aus den Eltern und Jungtieren, beansprucht ein Territorium von ca. 200 – 350 Quadratkilometermeter, das ist ca. ¼ der Fläche des Landkreises Harburg.

Die Zahl der Angriffe von Wölfen auf Nutztiere hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Laut eines Berichtes der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) gab es 2018 bundesweit 639 gemeldete. Mit am stärksten betroffen ist Niedersachsen. Hier wurden 2018 insgesamt 494 Tiere Opfer der Angriffe, darunter Schafe, Rinder, Ziegen, sowie Pferde und ihre Fohlen.

Die reinen Zahlen spiegeln aber nicht den finanziellen und emotionalen Schaden der Weidetierhalter wieder. Das Land unterstützt Maßnahmen zum Schutz der Tiere, wie z.B. die Neuanschaffung von Schutzzäunen und Herdenschutzhunden, nicht förderfähig sind die Folgekosten. Das Land leistet auch Ausgleichzahlungen für entstandene Schäden durch Wolfsrisse, aber das ist schwierig nachzuweisen und die Verfahren dauern viel zulange. Für die Schäden durch entlaufende und ertrunkene Tiere, wie neulich in der Ems, oder Fehlgeburten gibt es keine Entschädigung. Den psychischen Schaden eines Tierhalters, der morgens auf die Weide kommt, und seine halbtoten und verängstigten Tiere findet, gibt es sowieso keine Entschädigung, diese Bilder wird man nie vergessen. Der jahrelang aus dem grünen Umweltministerium propagierte Hinweis „Man könne doch Zäune bezuschussen“ klingt heute wie Hohn. Jeder Wolf überspringt solche Zäune und richtet dann größten Schaden an.

Der Rodewalder Rüde ist noch immer nicht erlegt. Mittlerweile wird er seine Jagdfähigkeiten bereits mehrfach an seine Nachkommen weitergegeben haben. In der Region Hannover hat man einen „Wolfskrankenwagen“ angeschafft um verletzte Wölfe zu versorgen. Bei allem Respekt, wer kümmert sich um die verletzten Schafe? Der Bund der Steuerzahler schrieb dazu in seinem „Schwarzbuch 2018/2019“: Obwohl es Gegenden gibt, in denen Wölfe deutlich häufiger anzutreffen sind, fühlte sich ausgerechnet die Region Hannover dazu berufen, für fast 11.000 Euro den bundesweit einmaligen „Wolfskrankenwagen“ anzuschaffen. In der fast zweijährigen „Betriebszeit“ wurde allerdings noch kein einziger verletzter Wolf darin zur Weiterbehandlung abtransportiert. 

Das grüne Umweltministerium hat beim Thema Wolf auf der ganzen Linie versagt. Das jetzt SPD geführte Haus ist sehr zögerlich und nur die permanenten Nachfragen zu diesem Thema im Landtag hat nun bei Umweltminister Lies zu aktivem Handeln geführt. Die CDU fordert seit langer Zeit, dass der Wolf ins Jagdrecht aufgenommen wird. Das bedeutet nicht, dass jeder Jäger wahllos Wölfe abknallen darf, wie es von Jagdgegnern so gerne geschrieben wird, es bedeutet, dass in sehr konkreten Situationen und unter großen Auflagen ein Wolf geschossen werden darf.

Jetzt endlich hat Umweltminister Lies den Entwurf einer Wolfsverordnung vorgestellt. In der Begründung heißt es: Die Verordnung soll einen maßvollen Ausgleich zwischen den Belangen des Naturschutzes einerseits und der Abwehr von Gefahren für die Gesundheit des Menschen sowie zur Abwendung drohender erster landwirtschaftlicher Schäden anderseits schaffen.

Der Entwurf setzt auf Schutz, Vergrämung und Entnahme. Gleichzeitig will sich Minister Lies für eine Wolfsobergrenze einsetzen.

Der Wolf ist ein intelligentes, scheues und sensibles Tier. Er hat sich schnell vermehrt und gleichzeitig gelernt neue Futterquellen zu erschließen. Menschen gegenüber verliert er mehr und mehr seine natürliche Scheu. Es ist an der Zeit zum Schutz des Menschen und erheblicher wirtschaftlicher Schäden klare Regeln vorzugeben, wie mit Wölfen umzugehen ist, die sich artfremd verhalten. Durch eine Verordnung wird Rechtssicherheit hergestellt. Es wird genau definiert, wann, wo und durch wen ein Wolf getötet werden muss.