Führerschein mit 16 als große Chance für mehr Sicherheit

 

Gründe für die höhere Unfallhäufigkeit bei jungen Fahrern ist laut ADAC Niedersachsen unter anderem mangelnde Fahrroutine. Sowohl der ADAC als auch Landesverkehrsminister Bernd Althusmann setzen deswegen auf das begleitete Fahren ab 16 und erhoffen sich dadurch ein Plus für die Verkehrssicherheit. „Durch eine längere Begleitphase ließe sich der Erfahrungshorizont aus- und Sicherheit für die Fahranfänger aufbauen“, sagt Althusmann  und spricht von einem Konzept, das große Chancen berge. Beim ADAC sieht man einen großen Vorteil darin, dass sich der Lernzeitraum für junge Fahrer auf bis zu zwei Jahre verdoppeln würde. „Ein verlängerter kontrollierter Aufbau von Fahrpraxis könnte aus unserer Sicht das Unfallrisiko der Fahranfänger weiter verringern, denn das bedeutet zusätzliche Fahrpraxis unter geschützten Bedingungen“, heißt es beim Autoclub.

Die Vorteile des begleiteten Fahrens mit 16 sieht man im niedersächsischen Verkehrsministerium durch eine Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) belegt. Man wolle den positiven Effekt des schon eingeführten begleiteten Fahrens mit 17 ausweiten. Das BASt hat an diesem positiven Effekt keinerlei Zweifel. Mit keiner anderen Maßnahme sei auch nur eine annähernd vergleichbare Sicherheitsverbesserung für Fahranfänger erzielt worden, heißt es in einer Studie der Bundesanstalt. Das habe die Evaluation ergeben. Die „Führerschein mit 17“-Gruppe habe im ersten Jahr jeweils rund ein Fünftel weniger Unfallbeteiligungen und Verkehrsverstöße zu verzeichnen. In einer weiteren BAStStudie werde deshalb das begleitete Fahren mit 16 als weitere Verbesserung vorgeschlagen. „Dies böte die Gelegenheit zu mehr Übungsfahrten und zu einem umfassenderen Fahrerfahrungsaufbau“, heißt es darin.

Dies erscheint umso wichtiger, da Experten sich in Bezug auf die Fahrfähigkeit junger Menschen Sorgen machen. Bei der Fahrerlaubnisbehörde des Landkreises München war kürzlich von „steigenden Fallzahlen fahreignungsauffälliger Jugendlicher“ in Bayern, aber auch bundesweit die Rede. Dort werden vor allem Betäubungsmittel als großes Problemfeld gesehen. In Niedersachsen gibt es dazu über Jugendliche am Steuer keine Zahlen. Das gilt auch für die Nutzung des Smartphones am Steuer. Der ADAC teilt mit, dass bei etwa jedem zehnten Verkehrsunfall mit Personenschaden Unachtsamkeit der entscheidende Auslöser sei. Belastbare Zahlen gebe es in der Unfallstatistik jedoch nicht, weil Ablenkung bisher nicht als eigene Unfallursache erfasst werde. „Die Gefahr wird jedoch von vielen Verkehrsteilnehmern altersgruppenübergreifend unterschätzt“, heißt es.

Ob das begleitete Fahren mit 16 Niedersachsen auch einen besseren Platz in der Tabelle der Führerschein-Durchfaller ermöglichen wird, bleibt derweil unklar. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern sind hier groß. Während die Durchfallquote in Bremen und Hamburg bei 42 und in Berlin bei 36 Prozent liegt, steht Hessen mit 24,6 Prozent am anderen, besseren Ende der Skala. Niedersachsen liegt mit einer Quote von 29 Prozent auf Rang sechs. Während man beim ADAC darauf hinweist, dass der Verkehr vor allem in Städten komplexer und dichter wird, was vor allem die hohen Durchfaller-Quoten in den Stadtstaaten erklärt, sieht man beim Verkehrsministerium die Ursache in einem Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Zum Gesamtbild gehöre zum Beispiel auch eine unterschiedliche Vorbereitungs- und Ausbildungsintensität in den Fahrschulen, ein unterschiedliches Verhältnis der Prüfungen in den verschiedenen Fahrerlaubnisklassen und unterschiedliche Anteile am begleiteten Fahren. Der ADAC weist daraufhin, dass auch ein Drittel der Führerscheinanwärter bei der Theorieprüfung durchfalle. Das liege aber nicht daran, dass die Prüfung schwerer geworden sei. „Insgesamt müssen Theorie und Praxis weiterentwickelt werden. Das betrifft zum einen die Methoden der Vermittlung und zum anderen die Überarbeitung von Inhalten wie zum Beispiel das Thema Ablenkung“, fordert der Autoclub in Niedersachsen.