Wie man durch intelligente Steuerung Fahrverbote Innenstädten umgehen kann

 

Damit werde den Bürgern vorgegaukelt, dass ein kostenfreier öffentlicher Personennahverkehr einfach umsetzbar wäre, kritisierte der Niedersächsische Städte- und Gemeindebund im Vorfeld. Die Rede war von einem „völlig falschen Signal“. Die Region Hannover wollte mit dem Tag dagegen „Lust auf den ÖPNV“ machen. Und viele, die sonst am Sonnabend vermutlich nicht in Bussen, Stadt- oder S-Bahnen sitzen, machten von dem Angebot Gebrauch. 

Dennoch war es nur ein Tag – aber was bleibt davon? Für Alexander Meister vom Unternehmen Graphmasters hat der Sonnabend in Hannover viele Erkenntnisse gebracht. Wer an dem Tag mit der Navigationssoftware „Nunav“ des Unternehmens unterwegs war, wurde direkt auf ausgewählte Parkflächen gelotst, und konnte von dort mit Bussen und Bahnen kostenlos in die City weiterfahren. Entscheidend dabei war, dass es dort, wo Nutzer des Systems hingeführt wurden, auch wirklich einen freien Parkplatz gab. Das ist im Alltag mit herkömmlichen Navigationssystemen nicht der Fall. Dabei wird man zwar an den gewünschten Ort geleitet, aber dann beginnt häufig erst einmal die Parkplatzsuche.

Meister nutzt häufig den Begriff „Bewegungskette“. An dem betreffenden Sonnabend hätten sich Nutzer darauf verlassen können, dass die Bewegungskette funktioniert, sagt er im Gespräch mit dem Politikjournal Rundblick. „Es hilft kein Park-and-Ride-Parkplatz, der dann doch voll belegt ist, wenn ein Autofahrer dort ankommt. Wir haben sichergestellt, dass die Parkplätze frei waren. Das Versprechen, dass man dann von dort kostenlos in die Innenstadt fahren kann, wurde erfüllt“, sagt Meister. Für ihn ist die Einhaltung dieses Versprechens, also die Parkplatzgarantie, ein wichtiger Schlüssel, den die Konsumenten suchten. Sie sind seiner Meinung nach durchaus bereit, bei Konzerten oder verkaufsoffenen Sonntagen die Fahrt mit dem Auto mit dem ÖPNV zu kombinieren, ein Modell, das Graphmasters bei zahlreichen Veranstaltungen in Absprache mit den lokalen Verkehrsbehörden schon anbietet. Entscheidend sei dabei immer, dass sich die Nutzer auch auf eine funktionierende Kette verlassen könnten. Positiv sei gewesen, dass die Fahrzeuge auf den Park-and-Ride-Plätzen häufig mit vier oder fünf Personen besetzt gewesen seien, die dann in Busse oder Bahnen umgestiegen seien. Das Sonnabend-Modell in Hannover hält Meister für einen Beleg, dass das System auch über die Debatte um einen generell kostenlosen ÖPNV funktioniert und damit häufiger angewendet werden könnte. Bei Veranstaltungen wie zum Beispiel dem Hannover-Marathon sei es ohnehin schon gängige Praxis. „Die Region Hannover ist mit der Nutzung dieses Systems schon ziemlich weit vorne“, meint der Navigationsexperte. „Bei Konzerttickets oder Fußballkarten ist die kostenlose Weiterfahrt ohnehin inklusive. Hier kann man mit dem Navi autorisierte Parkflächen finden und dann generell mit dem ÖPNV weiterfahren.“ Auch das Maschseefest in Hannover, das im Vorfeld immer wieder zu ParkplatzDiskussionen mit den Anwohnern führt, könnte seiner Ansicht nach damit noch besser organisiert werden. „Bisher wurden Nutzer unseres Systems zum Schützenplatz in der Nähe des Maschsees geführt. Der Parkplatz könnte aber auch weiter außerhalb liegen und mit einem Busshuttle kombiniert werden“, schlägt Meister vor.

Zwei Punkte sind für die Systemänderung für Meister entscheidend. Zum einen ist es die Zusammenarbeit mit den Verkehrsplanern vor Ort. „Damit holt sich der Staat die Kontrolle über die Navigationsgeräte zurück.“ Abseits der Diskussionen über neue Park-and-Ride-Plätze an den Stadtgrenzen gebe es bereits viel Parkraum, der am Abend und an Wochenenden häufig nicht genutzt werde, hier seien lediglich neue Absprachen und Konstellationen nötig. Und wo liegt dieser Parkraum? Zum Beispiel sind die es die Parkplätze der Continental-Mitarbeiter, oder die Massen-Parkplätze an der Messe. Diese privatwirtschaftlichen Parkplätze wurden am kostenlosen ÖPNV-Sonnabend in Hannover von den Unternehmen zur Verfügung gestellt. „Plötzlich haben sie nicht mehr zweieinhalbtausend Stellflächen, sondern viereinhalb tausend“, so Meister. Dieses Modell müsse nicht auf einen Sonnabend im Jahr beschränkt bleiben. Die Parkplätze seien schließlich vorhanden, warum sollten sie abends und am Wochenende nicht für Park-and-Ride-Systeme genutzt werden? Für die Unternehmen sei das schließlich auch eine neue Form der Darstellung.

Neben der entsprechenden Software ist für Meister die Absprache zwischen Behörden, Unternehmen mit großen Parkplätzen und dem Navigationsanbieter der Schlüssel für den Erfolg des Modells. Meister ist sich sicher, dass man damit Fahrverbote in der Innenstadt hinauszögern, im besten Fall sogar umgehen kann.