Königsberger Straße am Kiekeberg

Nachkriegszeit für die junge Generation sichern:

Das Freilichtmuseum am Kiekeberg holt mit der „Königsberger Straße“ die Zeit von 1949 bis 1970 ins Museum

Rosengarten, 7. Juni 2018 – Die Nachkriegszeit und die ersten Jahrzehnte der jungen Bundesrepublik kommen jetzt ins Freilichtmuseum am Kiekeberg: Mit der „Königsberger Straße“ holt es die Zeit von 1949 bis 1970 ins Museum. Es entsteht ein Straßenzug mit sechs Häusern. Jetzt überzeugten sich Förderer vom aktuellen Planungsstand und sahen sich das erste Objekt an – einen originalen Fluchtwagen aus dem Zweiten Weltkrieg.

Museumsdirektor Stefan Zimmermann erläutert: „Wir zeigen das Leben auf den Dörfern von 1949 bis 1970 mit Gebäuden, Ausstellungen und Zeitzeugen-Erzählungen. Damit ist unser Projekt einmalig in Deutschland.“  Über zwölf Millionen Flüchtlinge, Vertriebene und Evakuierte, dazu ca. zehn Millionen ehemalige Zwangsarbeiter gab es in West-Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Landkreis Harburg, in dem das Freilichtmuseum am Kiekeberg liegt, ist eine Musterregion für die ganze Bundesrepublik. „Der Landkreis Harburg nahm überproportional viele Menschen auf. Wohnten hier 1939 noch 62.602 Menschen, waren es zehn Jahre später bereits 124.397. Aufgrund der verkehrsgünstigen Lage und der Zuzugsbeschränkungen in Hamburg sowie die Nähe zur Sowjetischen Besatzungszone stieg die Zahl auch in den folgenden Jahren weiter“, sagt Stefan Zimmermann.

Das Freilichtmuseum am Kiekeberg rückt mit der „Königsberger Straße“ näher an die Jetzt-Zeit ran. Dr. Sabine Schormann, Stiftungsdirektorin der Niedersächsischen Sparkassenstiftung, hebt genau diese Qualität hervor: „Der Kiekeberg knüpft an das Heute an, ohne die Vergangenheit zu verraten. Wir sind überzeugt von dem Projekt, denn es ist ganzheitlich gedacht. Wir sind sicher, dass es auf großes Interesse stößt, weil es viele Menschen persönlich betrifft.“ Andreas Sommer, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Harburg-Buxtehude, und sein Vorgänger Heinz Lüers bestätigen: „Es ist die richtige Zeit und am Kiekeberg der richtige Ort für ein solches Projekt. In der ‚Königsberger Straße‘ kann man seine Erinnerungen an Kinder und Enkel weitergeben und zeigen, wie die Nachkriegsgeneration aufgewachsen ist.“ Harald Ottmar, der als Dezernatsleiter die Metropolregion Hamburg und das Land Niedersachsen vertritt, ergänzt: „Wir fördern gern dieses Projekt, das wissenschaftlich absolut fundiert aufbereitet ist und bundesweite Relevanz besitzt. Es ist sowohl für Touristen als auch für die Bewohner der Metropolregion interessant.“

Ein verlässlicher Unterstützer des Kiekebergs ist dessen Förderverein. Vorsitzender Heiner Schönecke: „Bei der ‚Königsberger Straße‘ haben wir nicht nur Geld dazugegeben. Zwischenzeitlich war eine Bürgschaft über 1,2 Millionen Euro notwendig, um weitere Förderer zu gewinnen. Unsere Mitglieder haben entschieden: Das ist ein wichtiges Projekt, das machen wir.“ Kurz nach Ausstellung der Bürgschaft wurde sie schon nicht mehr benötigt – weitere Geldgeber waren von der Idee der „Königsberger Straße“ überzeugt.

Für das Freilichtmuseum am Kiekeberg ist die neue Straße eine der größten Herausforderungen in seiner langen Museumsgeschichte. „Das Projekt kostet 6,18 Millionen Euro – und es ist dank unserer zwölf Förderer durchfinanziert“, sagt Carina Meyer, Kaufmännische Geschäftsführerin am Kiekeberg. „Auch zeitlich ist es eine Besonderheit: Die Bauzeit ist auf sechs Jahre angelegt.“ Am 15. Juni 2018 erfolgt der erste Spatenstich im Rahmen des großen Fördervereinsfestes.

Ein besonderes Objekt wurde dem Freilichtmuseum am Kiekeberg jetzt geschenkt: Einer der letzten Fluchtwagen aus Bessarabien (heute Ukraine). Stefan Zimmermann erläutert: „Der Treckwagen steht für das Aufeinanderprallen von Einheimischen, die die Kriegszeit materiell weitgehend unbeschadet überstanden haben, und den Neuankömmlingen, die alles verloren haben.“

Finanzierung

Die „Königsberger Straße“ im Freilichtmuseum am Kiekeberg wird gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (Bund), das Land Niedersachsen, den Landkreis Harburg, den Förderfonds Hamburg/Niedersachsen der Metropolregion Hamburg, die Stiftung Niedersachsen, die Stiftung Hof Schlüter, die Niedersächsische Sparkassenstiftung, die Stiftung der Sparkasse Harburg-Buxtehude, den Lüneburgischen Landschaftsverband, die Klosterkammer Hannover, die Niedersächsische Bingo- Umweltstiftung und den Förderverein des Freilichtmuseums am Kiekeberg. Das Gesamtprojekt ist auf 6,14 Millionen Euro angelegt.

Vorstellung der Königsberger Straße vor dem Fluchtwagen aus Bessarabien, Foto FLMK

Harald Ottmar, Dezernatsleiter Regionale Landesentwicklung, Amt für regionale Landesentwicklung Lüneburg

Andreas Sommer, Vorsitzender des Vorstands, Sparkasse Harburg-Buxtehude

Heiner Schönecke, Vorstandsvorsitzender, Förderverein des Freilichtmuseums am Kiekeberg e. V.

Carina Meyer, Kaufmännische Geschäftsführerin, Stiftung Freilichtmuseum am Kiekeberg

Dr. Sabine Schormann, Stiftungsdirektorin, Niedersächsische Sparkassenstiftung

Stefan Zimmermann, Museumsdirektor, Stiftung Freilichtmuseum am Kiekeberg

Heinz Lüers, ehemals Vorsitzender des Vorstands, Sparkasse Harburg-Buxtehude