Wachtelkönig I

PM Bildzeitung Hamburg 26-05-2015 Marcus Arndt

Trotz Bahn- und Treckerlärm - Wachtelkönig stoppt Radweg

Dauernd dröhnen die S-Bahnen, aber Radfahrer stören angeblich den Wachtelkönig: Das ärgert den CDU-Landtagsabgeordneten Heiner Schönecke (69, li.) und seinen Parteifreund Jan Hauschildt (57)

Neu Wulmstorf/Hannover – Der Wachtelkönig hat in Neugraben schon ganze Wohngebiete verhindert. Jetzt läuft direkt hinter der Hamburger Landesgrenze der nächste bizarre Streit um den seltenen Vogel, den nie einer sieht.

Neu Wulmstorf und Buxtehude sind sich einig: Zwischen beiden Gemeinden soll ein Radweg entlang der S-Bahn-Strecke her. 243 000 Euro sind dafür da.

Kein Problem? Pustekuchen!

Der Radweg wurde verboten, weil er auf 400 Meter durch ein Wiesengebiet laufen würde, in dem manchmal der Wachtelkönig (lat.: Crex crex) lebt. So fünf Monate im Jahr, weil der Wachtelkönig ein Zugvogel ist. Trotzdem sagen die Behörden: Die Vögel könnten gestört werden.

Entschieden haben das in trauter Eintracht Landwirtschafts- und Umweltminister, Christian Meyer (39) und Stefan Wenzel (53, beide Grüne). Sie verweisen auf EU-Recht und zucken ansonsten mit den Schultern.

Mit normalem Menschenverstand nicht nachvollziehbar:

  • Durch das Gebiet laufen bereits mehrere (erlaubte!) Radwege.
  • Alle fünf Minuten donnert eine laute Bahn über die Gleise.
  • Landwirte dürfen jederzeit mit ihren Treckern durchfahren.
  • Sogar die neue Autobahn A 26 darf hier gebaut werden. Aber eben kein Radweg!

Dem örtlichen CDU-Landtagsabgeordneten schwillt der Kamm bei so viel Unfug. Heiner Schönecke (69, Geflügelzüchter): „Die Minister stehen völlig auf dem Schlauch. Die haben so viel Angst vor der EU, dass sie schon vorher kuschen und nicht mal eine Ausnahmegenehmigung beantragen.“