Interview - Sped. Johs. Martens

Die Führerscheinausbildung von Lkw-Fahrern zeitgemäß anpassen

Im Mai wird auf Initiative von Heiner Schöneckes ein Antrag zur „Anpassung der Führerscheinausbildung von LKW-Fahrern“ im Plenum des Niedersächsischen Landtages beraten.

Heiner Schönecke, MdL (CDU):
„Auf einem regelmäßig stattfinden Fernfahrerstammtisch, organisiert durch die Polizei und dem Speditionsgewerbe wurde ich auf die prekäre Situation des Nachwuchsmangels im Bereich der der LKW-Fahrer angesprochen. Ich freue mich sehr, dass es jetzt einen gemeinsamen Antrag von SPD und CDU gibt, um das Problem zu lösen. Der Güterverkehr ist das Rückgrat der deutschen Wirtschaft.“

Hans Martens Geschäftsführer Sped. Johs. Martens:
„Seit Jahren werden verschiedene Maßnahmen zur Verbesserung der Lage diskutiert. Immer schneller, immer billiger - der Druck auf die gesamte Transportbranche ist enorm. Doch angesichts steigender Transportleistung - insbesondere durch den immer stärker wachsenden Online-Handel - droht ein hoher wirtschaftlicher Schaden, wenn nicht umgehend gehandelt wird. Bereits jetzt ist der Lkw-Fahrermangel für viele Unternehmen zu einem wirtschaftlichen Risiko geworden.“

Nach der „Verkehrsprognose 2030“ der Bundesregierung wird zwischen 2010 und 2030 von einem Wachstum des Lkw-Verkehrs von 39 % ausgegangen. Das wachsende Verkehrsaufkommen, der Rückgang an qualifizierten Bewerbern sowie die wachsende Konkurrenz aus anderen Branchen verschärfen den erkennbaren Fachkräftemangel.

Susanne Martens-Ulrich, Geschäftsführerin Spedition Johs. Martens:
„Ein Grund für den Fahrermangel ist der fehlende Nachwuchs. Interessenten für diesen Ausbildungsberuf verlassen meist mit 16 Jahren die Schule und müssen zwecks Führerscheinprüfung bis zu zwei Jahre warten, ehe sie den Beruf des Lkw-Fahrers ergreifen können. Laut der derzeit geltenden Rechtslage darf der C/CE-Führerschein erst mit 21 Jahren gemacht werden, in der Ausbildung bereits mit 18 Jahren. Die Erteilung einer Fahrerlaubnis und damit auch der Beginn einer Fahrschulausbildung darf frühestens sechs Monate vor Erreichen des Mindestalters beantragt werden darf. Dadurch verbringen die Auszubildenden die ersten zwei Jahre der Ausbildung als Beifahrer, bevor sie mit 17 ½ Jahren mit dem Führerschein beginnen können und dieser mit 18 Jahren ausgehändigt werden kann. Ab diesem Zeitpunkt dürfen die Auszubildenden direkt allein einen Lkw oder auch einen Tankwagen fahren.“

Jan Bauer, CDU-Kandidat für die Landtagswahl:
„Das Problem ist seit mehr als 20 Jahren bekannt, die jetzige Situation ist mehr als problematisch. Aktuell fehlen der Branche zwischen 45 000 und 60 000 Fahrerinnen und Fahrer. Die Branche rechnet damit, dass in den nächsten Jahren jährlich über 25 000 Fahrerinnen und Fahrer in den Ruhestand wechseln. Wenn wir jetzt nicht zügig handeln, stehen wir wirklich bald vor leeren Regalen.“

Susanne Martens-Ulrich, Geschäftsführerin Spedition Johs. Martens:
„Seitens der Branche schlagen wir vor, dass die Auszubildenden bereits mit 16 ½ Jahren den Führerschein beginnen können, um selbigen mit 17 Jahren zu erhalten und zunächst ein Jahr lang das begleitete Fahren (analog zum Pkw) nutzen können.

Ole Zapke, Auszubildender Sped. Johs. Martens:
„Die zusätzliche Fahrpraxis wäre ein großer Vorteil. Außerdem würde ich mich freuen, durch die geplanten Änderungen auch jüngere Kollegen zu haben.“

Aufgrund des herabgesetzten Alters zum Erwerb des C/CE-Führerscheins im Zuge einer Ausbildung zum Lkw-Fahrer müssen die Auszubildenden unter 21 Jahren eine Medizinisch-Psychologische-Untersuchung und ein Drogenscreening absolvieren. Dies trägt zum Erhalt der Verkehrssicherheit bei, indem nur in der Persönlichkeit hinreichend gefestigte junge Menschen die Möglichkeit erhalten, bereits mit 17 Jahren den C/CE-Führerschein zu erwerben.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass eine Fahrerlaubnis der Klasse C (Lkw) weiterhin nur erteilt werden darf, wenn der Bewerber bereits eine Fahrerlaubnis der Klasse B (Pkw) besitzt oder zumindest die Voraussetzungen für deren Erteilung erfüllt. Insofern müssten beide Ausbildungen (B- und C-Klassen) parallel begonnen und zunächst die Ausbildung für die B-Klasse vollständig abgeschlossen werden.

Einen Bestandteil, um für eine attraktive Ausbildung zu sorgen, stellt die Umstellung des Theorieunterrichts auf ein synchrones, digitales Format dar. Dies wird seitens der Branche bereits gefordert und kann die Ausbildungskosten verringern sowie die Ausbildungszeit verkürzen.

Heiner Schönecke, MdL (CDU):
„Es muss das Ziel sein, den Beruf der Lkw-Fahrerin bzw. des Lkw-Fahrers attraktiver zu gestalten. Dazu gehört auch die finanzielle Situation der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer oder bessere Möglichkeiten der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Neben den Arbeitsbedingungen spielt die oftmals mangelnde Wertschätzung des Berufs eine wichtige Rolle. Lkw-Fahrenden wird selten ausreichende Wertschätzung entgegengebracht.

Die Landesregierung wird in dem jetzigen Entschließungsantrag darum gebeten, sich auf Bundes- und Europaebene dafür einzusetzen, dass 

  1. das begleitende Fahren mit 17 Jahren auch für den Lkw-Führerschein eingeführt wird,
  2. Auszubildende bereits mit 16 ½ Jahren mit dem Lkw-Führerschein beginnen können; so kann der Führerschein mit 17 Jahren ausgehändigt werden und können die Auszubildenden noch ein Jahr in Begleitung fahren,
  3. die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden, um den Lkw-Führerschein mit begleitetem Fahren auch ohne vollständig abgeschlossenen Erwerb des Pkw-Führerscheins zu beginnen,
  4. Möglichkeiten zur dauerhaften Umsetzung eines digitalen, synchronen Theorieunterrichts im Rahmen des Lkw-Führerscheins und im Rahmen des Fahrerqualifizierungsnachweises geprüft werden.
  5. Vor diesem Hintergrund bittet der Landtag die Landesregierung, auf Landesebene zu prüfen, wie in Zusammenarbeit mit und in Verantwortung der zuständigen Branchenverbände eine Imagekampagne auf den Weg gebracht werden kann, die ein positives Berufsbild der Lkw-Fahrerin / des Lkw-Fahrers zeichnet.

 

Bild (Seifert)  vlnr: Heiner Schönecke, Geschäftsführer Hans Martens, Geschäftsführerin Susanne Martens-Ulrich, Auszubildender Ole Zapke, Ausbilder Klaus Wellnitz, Jan Bauer